Galveston
Nordamerika
Die Stadt, die dem Sturm trotzte
Am Morgen des 8. September 1900 stieg das Wasser. Erst leckte es über die Strandpromenade, dann über die Straßen, schließlich in die Wohnzimmer. Bis zum Abend hatte ein Hurrikan mit über 210 km/h Wind eine mehr als 4,5 Meter hohe Flutwelle über die flache Insel geschoben. Galveston lag im Schnitt nur knapp zwei Meter über dem Meer – es gab kein Höher, wohin man hätte fliehen können. Als der Sturm weiterzog, waren zwischen 6.000 und 12.000 Menschen tot. Bis heute ist es die schwerste Naturkatastrophe in der Geschichte der USA.
Dabei war Galveston zu dieser Zeit die reichste Stadt von Texas. Die Insel im Golf von Mexiko trägt den Namen des spanischen Grafen Bernardo de Gálvez. Ihr Hafen war der größte westlich von New Orleans; Baumwolle aus dem ganzen Süden wurde hier verschifft. Galveston hatte als erste Stadt in Texas elektrisches Licht und Telefon. Man nannte die Prachtstraße „Wall Street des Südens".
Doch die berühmteste Gestalt der Insel war weder Kaufmann noch Graf, sondern ein Pirat. Um 1817 machte Jean Lafitte Galveston zu seinem Schlupfwinkel. Er nannte die Siedlung Campeche und wohnte in einem rot gestrichenen Haus, dem „Maison Rouge". Von hier aus überfiel seine Flotte spanische Schiffe. 1821 setzte ihn die junge US-Marine vor die Wahl: verschwinden oder kämpfen. Lafitte brannte seine eigene Siedlung nieder und segelte davon. Was aus ihm wurde, weiß niemand genau.
Und hier beginnt die Legende. Man erzählt sich, Lafitte habe einen Teil seiner Beute vergraben, bevor er floh – Gold und Silber irgendwo im Sand von Galveston Island. Schatzsucher haben über zwei Jahrhunderte gegraben. Gefunden wurde nie etwas. Eine Geschichte behauptet sogar, sein Geist wandere nachts am Strand entlang und suche selbst nach seinem verlorenen Schatz. Bewiesen ist davon nichts – aber Kinder mit einer Schaufel dürfen ja trotzdem hoffen.
Nach der Katastrophe von 1900 gab Galveston nicht auf. Die Stadt tat etwas Waghalsiges: Sie baute eine gewaltige Schutzmauer, den Galveston Seawall – zunächst gut fünf Kilometer lang und rund 5 Meter hoch. Dann hob sie sich buchstäblich selbst an. Ingenieure stemmten über 2.000 Gebäude, darunter Kirchen aus Stein, auf Schrauben in die Höhe und pumpten Sand vom Meeresgrund darunter, bis der Boden der ganzen Stadt um bis zu 5 Meter höher lag. Das dauerte Jahre und gilt bis heute als technische Meisterleistung.
Der Seawall ist inzwischen über 16 Kilometer lang, und darauf lässt sich prima Rad fahren oder Rollschuh laufen. Wer die alte Pracht sehen will, geht ins Viertel The Strand: Die eisernen Handelshäuser aus den 1870er- und 1880er-Jahren haben Sturm und Flut überstanden und beherbergen heute Eisläden, Spielzeuggeschäfte und Karamell-Küchen. Draußen auf einem Pier über dem Wasser dreht sich das Riesenrad des Pleasure Pier, und in den gläsernen Pyramiden von Moody Gardens leben Pinguine und Haie. Die Stadt, die einmal fast unterging, dreht heute wieder Karussell direkt über dem Meer, das sie beinahe verschluckt hätte.
So kommt ihr ins Zentrum.
Von den Cruise Terminals an der Harborside Drive (Terminal 25/28) sind es rund 1 km (12–15 Min) eben bis ins historische Viertel The Strand.
Viele Reedereien und Parkanbieter bieten kostenpflichtige Shuttles zum Strand und zu Moody Gardens (ca. $ 10–15 pro Person, kostenpflichtig).
Taxi/Uber vom Terminal zum Seawall/Moody Gardens ca. $ 12–20, Fahrzeit rund 10 Min. Ins The Strand ca. $ 8.
Die Galveston Island Trolley (historische Straßenbahn) und der Island Transit Bus verbinden Hafen, Strand und The Strand; Fahrt ca. $ 1–2 (günstig). Fahrpläne sind begrenzt – vorher prüfen.
Was den Tag leicht macht.
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Der Galveston Island Historic Pleasure Pier (2501 Seawall Blvd) ragt über den Golf; ein Tagesarmband für alle Fahrgeschäfte kostet ca. $ 35, einzelne Fahrten ab $ 6. Schon das Riesenrad lohnt für den Blick.
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Moody Gardens hat drei gläserne Pyramiden (Regenwald, Aquarium, Wissenschaft); ein Kombiticket kostet ca. $ 40/Erw. und $ 34/Kind. Für einen kurzen Landgang reicht meist die Aquarien-Pyramide.
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Die historische Straßenbahn (Galveston Island Trolley) rollt vom Strand ins Viertel The Strand – kurze, günstige Fahrt, bei Kindern beliebt.
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Am Stewart Beach und East Beach ist das Wasser flach und im Sommer über 28 °C warm; Liegen und Schirme lassen sich vor Ort mieten (ca. $ 20).
Wo Einheimische hingehen.
La King's Confectionery
In der Strand Street 2323, mitten im historischen Viertel, steht La King's Confectionery – eine Bonbon-Manufaktur wie aus einem alten Film. An einer messingglänzenden Maschine von 1920 wird vor den Augen der Kinder Saltwater Taffy gezogen, ein weiches Bonbon, das sich meterlang dehnt. Dazu gibt es Purity Ice Cream nach einem Rezept von 1919, hinter einer echten Soda-Fountain-Theke aus Marmor. Eine Kugel kostet ca. $ 4.
In Google Maps öffnen ›Was ein Hafentag kostet.
Straßenbahn/zu Fuß: € 10 · Stewart Beach Eintritt: ca. € 12 · Picknick & Snacks: € 40 · Eis bei La King's: € 15
Moody Gardens Aquarien-Pyramide Familie: € 120 · Mittagessen: € 60 · Pleasure Pier Einzelfahrten: € 30
Pleasure Pier Tagesarmbänder (4×): € 130 · Moody Gardens Kombiticket Familie: € 150 · Meeresfrüchte-Restaurant: € 140 · Souvenirs & Strandmiete: € 60
Wann ihr kommt.
Frühjahr
🌸 März bis Mai ist mild (20–26 °C) und gilt als beste Reisezeit. Zur „Galveston Historic Homes Tour" öffnen alte Villen ihre Türen. Das Wasser ist noch frisch zum Baden.
Sommer
☀️ Juni bis August ist heiß und schwül (30–34 °C), das Wasser aber badewannenwarm. Achtung: Es ist auch Hurrikan-Saison (Höhepunkt August/September) – der Himmel kann schnell umschlagen.
Herbst
🍂 September und Oktober bleiben warm zum Baden (26–30 °C). Der September ist statistisch der stürmischste Monat – der Jahrestag des großen Sturms von 1900 fällt auf den 8. September.
Winter
❄️ Dezember bis Februar ist mild (12–18 °C), zum Baden aber zu kühl. Kreuzfahrtbetrieb läuft ganzjährig; die Attraktionen haben teils verkürzte Zeiten, dafür ist wenig los.
Alles Wichtige in Pier-Nähe.
🍼 Das Hafenviertel und The Strand sind eben; die Bürgersteige sind meist asphaltiert, im historischen Kern gibt es aber einige holprige Ziegelstege. Der Seawall hat einen langen, glatten Rad- und Gehweg – ideal für Kinderwagen. Am Strand hilft ein Wagen mit breiten Reifen. · 🆘 Notruf 911
Häufige Fragen zu Galveston
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