1565 stand Malta vor seiner größten Prüfung. Der Sultan Süleyman der Prächtige hatte 40.000 Soldaten und 200 Schiffe geschickt, um den Johanniter-Orden für immer zu vernichten. Die Ritter, knapp 700 plus 8000 maltesische Hilfssoldaten, hatten sich in zwei alten Festungen am Hafen verschanzt. Der Sultan war überzeugt: in zwei Wochen ist alles vorbei.
Es dauerte vier Monate. Die Belagerung von Malta. Beide Seiten verloren tausende Männer. Die Türken sprengten Mauern, die Ritter bauten neue dahinter. Als die Türken Fort St. Elmo schließlich einnahmen, kostete sie das 8000 Mann. Die überlebenden 9 Ritter hatten sich bis zum letzten Atemzug gewehrt. Im September kamen Verstärkungen aus Sizilien. Die Türken zogen ab. Europa war vor der osmanischen Welle gerettet. So zumindest erzählten es die Ritter. Und mit dieser Geschichte sammelten sie bei den Adelshöfen Europas das Geld für eine neue Stadt: Valletta.
Benannt wurde sie nach Jean Parisot de Valette, dem Großmeister, der die Belagerung gewann. Italienische Architekten wurden geholt: Francesco Laparelli, Schüler von Michelangelo. Innerhalb von 15 Jahren entstand auf dem felsigen Sciberras-Halbinsel eine komplette Stadt nach Renaissance-Plan: rechtwinkliges Straßenraster, gleich hohe Häuser aus dem honigfarbenen maltesischen Kalkstein, dicke Bastionen am Meer, palastartige Verwaltungsgebäude. 320 Monumente auf einer Halbinsel von 1 Quadratkilometer Größe. Die UNESCO erklärte das gesamte Stadtgebiet 1980 zum Welterbe.
Die Ritter blieben bis 1798. Dann tauchte Napoleon auf dem Weg nach Ägypten in Malta auf, blieb sechs Tage und nahm die Insel ein. Die Briten warfen die Franzosen 1800 wieder raus. Malta wurde britische Kronkolonie. Englisch wurde zweite Amtssprache. Die Briten bauten eine Marinebasis im Grand Harbour. Im Zweiten Weltkrieg wurde Malta zur am stärksten bombardierten Stelle der Welt: 3000 Luftangriffe in zwei Jahren. König George VI. verlieh der gesamten Inselbevölkerung 1942 das George Cross, höchste britische Tapferkeitsauszeichnung. Es ziert bis heute die maltesische Flagge.
1964 wurde Malta unabhängig, 2004 trat es der EU bei, 2008 dem Euro. Heute leben in Valletta nur 6.000 Menschen - die Stadt schläft abends, wenn die Tagesausflügler weg sind. Aber tagsüber pulsiert sie. Die Co-Kathedrale St. John ist innen überwältigend: jeder Quadratzentimeter mit Gold, geschnitztem Marmor und Grabsteinen der Ritter bedeckt. Im Oratorium hängt das größte Bild von Caravaggio, die Enthauptung Johannes des Täufers, gemalt 1608.
Die Upper Barrakka Gardens am Stadtrand bieten den Blick über den Grand Harbour: Die drei Ritterstädte Senglea, Vittoriosa und Cospicua liegen drei Buchten weiter, mit ihren Festungsmauern und engen Gassen. Um 12 Uhr und 16 Uhr feuern Soldaten von der Saluting Battery aus 8 Kanonen. Der Knall hallt durch das ganze Hafenbecken. Tipp für Familien: Es ist sehr laut, kleine Kinder vorbereiten oder Ohren zuhalten lassen.