Im Jahr 1229 standen über hundert Schiffe vor der Küste Mallorcas. An Bord König Jakob I. von Aragón mit mehreren tausend Soldaten. Sie kamen, um die Insel von den maurischen Herrschern zurückzuerobern. Was sie nicht wussten: Die Schlacht würde dreieinhalb Monate dauern, und sie würde die Stadt für immer verändern.
Damals hieß Palma noch Madina Mayurqa. Die Mauren hatten die Stadt seit über 300 Jahren beherrscht. Sie hatten hier Bewässerungssysteme, Bäder und kunstvolle Innenhöfe gebaut. Als die christlichen Truppen am 31. Dezember 1229 durch ein Loch in der Stadtmauer eindrangen, war das Schicksal der maurischen Stadt besiegelt. König Jakob I. ließ noch im selben Jahr mit dem Bau einer riesigen Kathedrale beginnen, direkt auf dem Fundament der größten Moschee. Diese Kathedrale wuchs über fast vier Jahrhunderte in den Himmel. Heute ist sie 109 Meter lang und 44 Meter hoch im Hauptschiff. Wenn die Sonne durch das Rosenfenster fällt, eines der flächenmäßig größten gotischen Rosenfenster der Welt, liegen rote, blaue und gelbe Lichtflecken auf dem Steinboden. Manche so groß wie ein ausgebreitetes Handtuch. Zweimal im Jahr, am 2. Februar zu Maria Lichtmess und am 11. November zu Martini, passiert etwas Besonderes: Das Licht der aufgehenden Sonne fällt durch das Hauptfenster und erzeugt eine farbige Acht direkt unter dem zweiten Rosenfenster. Tausende kommen, um dieses Schauspiel zu sehen. Wenn dein Schiff zur richtigen Zeit hier liegt, lohnt sich das frühe Aufstehen.
Aber nicht nur die Mauren prägten Palma. Im 15. Jahrhundert war die Stadt einer der reichsten Handelshäfen des Mittelmeers. Schiffe brachten Gold, Gewürze und Stoffe aus Afrika und dem Nahen Osten. Die Kaufleute bauten prachtvolle Stadtpaläste mit kühlen Innenhöfen, sogenannten Patios. Über 150 dieser Patios kann man heute noch in der Altstadt entdecken. Manchmal stehen ihre Tore offen, und du kannst einfach hineinspähen.
Eine Legende sagt: In der Burg Castell de Bellver, die hoch über der Stadt thront, wurde einst ein Drache gefangen gehalten. Ritter hätten ihn aus einer Höhle bei Sóller geschleppt, weil er Bauernhöfe in Brand gesteckt habe. Die Burg ist heute eine der wenigen vollständig kreisrunden gotischen Burgen Europas, und wer den Aufstieg auf sich nimmt, wird mit dem besten Panoramablick auf Palma belohnt. Drachen wirst du keine sehen. Aber an klaren Tagen reicht der Blick bis zur Serra de Tramuntana.