Traumstrand
und Stachelrochen auf Grand Cayman
Am 10. Mai 1503 segelte Christoph Kolumbus auf seiner vierten Reise an drei kleinen Inseln vorbei, die noch auf keiner Karte standen. Das Meer um sie herum war voller Meeresschildkröten – so viele, dass er sie kurzerhand „Las Tortugas" nannte, die Schildkröten. Den Namen tragen die Cayman-Inseln längst nicht mehr, aber die Schildkröte ist bis heute ihr Wahrzeichen geblieben.
George Town, die Hauptstadt, ist ein besonderer Hafen: Die großen Kreuzfahrtschiffe können hier nicht anlegen. Sie ankern draußen im tiefblauen Wasser, und kleine Tenderboote bringen euch an Land – mitten hinein in die Stadt, wo bunte Häuser, Läden und das Meer direkt nebeneinanderliegen.
Früher war das Leben hier alles andere als ruhig. Die Cayman-Inseln lagen genau auf der Route der spanischen Schatzschiffe – und damit auch auf der Route der Piraten. Berüchtigte Freibeuter wie Edward Teach, besser bekannt als „Blackbeard", sollen zwischen den Riffen Unterschlupf gesucht haben. Die Riffe waren Freund und Feind zugleich: Sie versteckten die Schiffe, aber sie waren auch messerscharf.
Das zeigte sich in einer Nacht, die bis heute erzählt wird: dem „Wreck of the Ten Sail". Im Februar 1794 fuhr im Dunkeln ein ganzer Schiffsverband auf das Riff vor der Ostspitze der Insel. Ein Schiff nach dem anderen lief auf – am Ende waren es zehn. Die Bewohner ruderten in ihren kleinen Booten hinaus in die Brandung und holten die Schiffbrüchigen an Land. Fast alle wurden gerettet. Eine Legende sagt, unter ihnen sei ein Verwandter des englischen Königs gewesen, und zum Dank habe König Georg III. den Caymanern versprochen, für immer keine Steuern zahlen zu müssen. Beweisen lässt sich das nicht – aber es stimmt, dass es auf den Cayman-Inseln bis heute keine Einkommensteuer gibt. Kein Wunder, dass die Geschichte so gern weitererzählt wird.
Wer heute von Bord geht, merkt schnell, worum sich hier alles dreht: um das Wasser. Es ist so klar, dass man vom Boot bis auf den Grund schauen kann. Der berühmteste Ort dafür liegt gar nicht an einem Strand, sondern mitten in einer großen, ruhigen Bucht, dem North Sound. Dort gibt es eine Sandbank, an der das Wasser nur etwa einen Meter tief ist – und trotzdem gleiten dort Dutzende Stachelrochen umher. „Stingray City" heißt der Ort. Die Rochen sind ans Füttern gewöhnt und streichen samtweich an den Beinen vorbei; sie fühlen sich an wie nasse Pilze, sagen manche Kinder.
Ein Stück weiter, in West Bay, kann man den Tieren ganz nah kommen, die der Insel ihren ersten Namen gaben: Im Cayman Turtle Centre werden grüne Meeresschildkröten aufgezogen und wieder im Meer ausgesetzt. Manche der großen Panzerträger sind älter als eure Großeltern.
Und dann ist da der Seven Mile Beach, der berühmteste Strand der Insel. Sein Name flunkert ein bisschen: In Wahrheit ist er eher sechs Kilometer lang als sieben Meilen. Aber der Sand ist so hell und fein und das Wasser so ruhig, dass viele ihn für einen der schönsten Strände der Karibik halten.
Am Nachmittag heißt es zurück zum Tenderboot – denn wie in alten Zeiten wartet das große Schiff geduldig draußen auf dem Meer, dort, wo Kolumbus einst die Schildkröten zählte.
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Tender-Hafen – Rückkehr großzügig planen
George Town ist ein Tender-Hafen: Ihr kommt nur per Tenderboot an Land, bei Wellengang kann das Ein- und Aussteigen wackelig sein. Bei starkem Nordwind weichen Schiffe manchmal zum Ersatzanleger Spotts (Süden) aus – plant die Rückkehr zum Tender großzügig. Die Sonne ist intensiv: Sonnenschutz und für Stingray City / Riffe Riffschuhe mitnehmen.