Oyster-Markt
seit 100 Jahren und sehr ruhige Cíes-Inseln
Vigo ist eine atlantische Stadt, die sich aus dem Meer ernährt. Die Hafenbucht (Ría de Vigo) ist ein 35 km tiefer Naturhafen, durch die vorgelagerten Cíes-Inseln vor dem offenen Atlantik geschützt - eine der größten und reichsten Austernzucht-Regionen Europas, dazu der wichtigste Fischerei-Hafen Spaniens (Galicia exportiert mehr Fisch als die meisten EU-Länder zusammen). Vigo hat 300.000 Einwohner, ist Galiciens größte Stadt vor Santiago de Compostela und A Coruña, und liegt im Nordwesten Spaniens - keltisch-galicisches Kulturerbe, Dudelsäcke statt Flamenco, Galego statt Castellano in den Dörfern.
Gegründet wurde Vigo von den Römern als 'Vicus' (= Dorf) - der Name blieb 2.000 Jahre. Im Mittelalter eine kleine Fischer-Siedlung, im 17. Jh. ständig Ziel englischer und holländischer Piraten-Überfälle (1589 Sir Francis Drake mit 80 Schiffen). Die berühmteste Schlacht war 1702 die 'Schlacht von Rande': eine spanisch-französische Silberflotte aus Amerika ankerte hier - englisch-holländische Flotte griff an, versenkte 17 Schiffe, davon viele beladen mit aztekischem Silber. Bis heute liegen die Wracks am Boden der Bucht. Tauch-Legenden sprechen von Schätzen, die nie geborgen wurden.
Heute lebt Vigo vom Fischen, vom Citroën-Werk (größtes Auto-Werk Spaniens) und zunehmend vom Tourismus. Das Centro hat zwei Welten: oben das mittelalterliche Casco Vello mit Granit-Häusern, Plaza da Constitución und der Co-Kathedrale Santa María (1813), unten die moderne Hafen-Promenade Berbés mit der riesigen Markthalle Mercado da Pedra - Galiciens berühmtester Austern-Markt. Hier schucken seit über 100 Jahren die 'Ostridoras' (Austernfrauen) live auf der Rúa da Pescadería die Austern für 1 EUR das Stück, mit Zitrone und einem Glas Albariño-Weißwein.
Aber Vigos echte Krone sind die Islas Cíes - 3 Atlantik-Inseln 14 km westlich, Nationalpark seit 2002, UNESCO-Biosphärenreservat seit 2018.DieGuardian-Zeitung wählte die 'Praia de Rodas' auf der mittleren Insel 2007 zum 'schönsten Strand der Welt' - feiner weißer Sand, türkisblaues Wasser, geschützte Bucht ohne Wellen. Tagespass für max. 1.800 Besucher pro Tag (Mai-September, online Pflicht-Reservierung über xunta.gal). Fähre 'Naviera Mar de Ons' ab Cruise-Pier in 45 Min, 18,50 EUR Hin/Rück Erw, 8,50 EUR Kind 4-12, unter 4 frei. Mit Familie das absolute Vigo-Highlight.
Vom Cruise-Terminal Estación Marítima sind es 100 m flach zum Centro Berbés. Wer einen ganzen Tag hat: Cíes-Inseln (4-5 h). Wer in Vigo bleibt: Casco Vello, Mercado da Pedra, Lunch und Monte O Castro-Park für Panorama. Wer mehr will: Tagesausflug nach Santiago de Compostela (90 km, Bus 9 EUR, 1,5 h Fahrt - Kathedrale und Plaza do Obradoiro UNESCO, eindrucksvoll aber 4 h reine Reisezeit mit Familie).
Kulinarisch ist Vigo der Norden Spaniens pur: Pulpo a feira (Oktopus mit Olivenöl, grobem Salz, Paprika auf Holzteller, 12-18 EUR - galicisches Nationalgericht), Pimientos de Padrón (kleine grüne Paprika, 95% mild und 5% scharf, gegrillt mit Meersalz, 6-9 EUR), Empanada gallega (Blätterteig-Pastete mit Thunfisch oder Hackfleisch, 3-5 EUR Stück), Vieiras (Jakobsmuscheln, 14-22 EUR), Mariscada (Meeresfrüchte-Platte für 2, 60-90 EUR). Frische Austern am Mercado da Pedra für 1 EUR/Stück direkt mit Zitrone gegessen. Wein: Albariño (Galicien-Weißwein, mineralisch, leicht - passt zu allem aus dem Meer). Queimada (brennender Trester-Likör mit Zitronenschalen und Kaffeebohnen, mit Beschwörung der bösen Geister) als Abend-Show in Trattorien.