Dover ist Englands Front-Tür zu Europa - und die Tür-Bewacherin seit über 2.000 Jahren. An der schmalsten Stelle des Ärmelkanals (Strait of Dover, nur 33 km von Frankreich/Calais) sitzt die Stadt eingeklemmt zwischen den berühmten weißen Kreidefelsen-Klippen und dem Meer. Bei klarer Sicht sieht man von den White Cliffs aus die französische Küste - Calais zum Greifen nah, jeden Tag. Cruise-Schiffe legen direkt am Cruise-Terminal Western Docks an, 1,5 km vom Stadtzentrum entfernt.
Die Geschichte Dovers ist die englische Verteidigungs-Geschichte. Schon die Römer landeten 43 n. Chr. unter Kaiser Claudius hier - der von ihnen gebaute 'Roman Lighthouse' (Pharos) im Dover Castle ist mit 19 m Höhe einer der höchsten erhaltenen römischen Bauten Britanniens und der älteste Leuchtturm Großbritanniens (1. Jh. n. Chr., immer noch sichtbar). Wilhelm der Eroberer marschierte 1066 nach seinem Sieg bei Hastings über Dover nach London. Henri II. baute 1180 das heutige massive Castle - Englands größte mittelalterliche Festung. Im Hundertjährigen Krieg, gegen die Spanische Armada 1588, in den Napoleonischen Kriegen, im Ersten und Zweiten Weltkrieg: Dover Castle war Immer die letzte Verteidigungslinie Englands.
Das emotional aufgeladenste Kapitel: im Zweiten Weltkrieg lag Dover in der 'Hellfire Corner' - von Mai 1940 bis Februar 1944 wurde die Stadt 2.226 Mal von deutscher Artillerie beschossen (von Calais aus), zusätzlich 464 Bomber-Angriffe. 199 Zivilisten starben, 957 Häuser wurden zerstört. Und doch wurden die berühmten Tunnel im Dover-Castle-Berg zur Kommando-Zentrale für die Operation Dynamo (Mai-Juni 1940): Admiral Bertram Ramsay leitete von hier die größte Evakuierung der Geschichte - 338.226 alliierte Soldaten, eingekesselt in Dünkirchen, wurden mit 800 Schiffen (darunter Hunderte zivile Boote) über den Ärmelkanal nach Dover gerettet. 'The Miracle of Dunkirk'. Die Tunnel sindheute begehbar und sind das emotionalste Erlebnis im Dover Castle. Vera Lynn sang 1942 das Lied, das Dover unsterblich machte: 'There'll be bluebirds over / The white cliffs of Dover / Tomorrow, just you wait and see' - eine Hoffnungs-Ballade in dunkler Zeit. Bis heute ist 'White Cliffs of Dover' weltweit die musikalische Hymne englischer Standhaftigkeit. Die Klippen selbst sind ein 13 km langer Wall aus reiner Kreide (Kalziumcarbonat aus Milliarden mikroskopisch kleiner Meeresorganismen, abgelagert vor 70-100 Mio. Jahren), 110 m hoch, leuchtend weiß bei Sonnenschein. National Trust Visitor Centre 3 km nordöstlich der Stadt, kostenlose 2-km-Wanderung entlang der Kante mit Aussichts-Stellen.
Heute hat Dover 31.000 Einwohner und lebt vom Hafen (größter Roll-on/Roll-off-Fährhafen Europas - 14 Millionen Passagiere/Jahr per Fähre nach Calais/Dunkerque), zunehmend vom Cruise-Tourismus (300.000 Cruise-Passagiere/Jahr) und vom Tagesausflug-Tourismus aus London (2 h mit dem Zug nach Norden).
Vom Cruise-Terminal Western Docks sind es 1,5 km zum Stadt-Zentrum - Shuttle der Reederei 8-12 GBP p.P. Hin/Rück oder Taxi 8-10 GBP. Wer einen ganzen Tag hat: Dover Castle (4 h mit Tunneln), White Cliffs (2-3 h mit Wanderung) und Lunch. Wer mehr will: London-Tagesausflug (Zug ab Dover Priory Station 2 h, ab 35 GBP Day-Return - Achtung: 4 h reine Reisezeit, mit Familie anstrengend). Canterbury-Tagesausflug (30 Min Zugfahrt, mittelalterliche Kathedrale UNESCO, deutlich entspannter als London).
Kulinarisch ist Dover englisch: Fish & Chips (an der Küste hier extra-frisch, 8-12 GBP), Pub-Klassiker (Bangers & Mash, Sunday Roast, Steak & Ale Pie), Cream Tea (Scones mit Clotted Cream, Erdbeermarmelade und Tee, 8-12 GBP). Lokales Highlight: 'Dover Sole' - die berühmte Seezunge, weltweit nach Dover benannt, fängt man hier seit dem 19. Jh. Pflicht-Adresse: The Cabin Restaurant (Cannon Street 91,Cream Tea und Lunch). Pub-Tipp: The White Horse Inn (St. James Street 1 - 600 Jahre alter Pub mit Tradition, eines der ältesten Englands).