Eidfjord liegt am Ende des Eid-Arms des Hardangerfjords, umgeben von Bergen, die sich bis zu 1.660 Meter erheben. Der Name bedeutet "Landenge am Fjord" - und tatsächlich trennen hier nur wenige Kilometer Wasser von Meer. Schon die Wikinger nutzten diesen strategischen Punkt: Archäologen fanden Reste einer Stabkirche aus dem 13. Jahrhundert, deren Fundamente unter der heutigen Steinkirche von 1309 liegen. Im Inneren hängt ein Altarbild von 1695, das die Kreuzigung zeigt - gemalt von einem unbekannten Künstler aus Bergen.
Im 19. Jahrhundert entdeckten britische Touristen Eidfjord als Ausgangspunkt für Gletscherwanderungen. Kaiser Wilhelm II. besuchte die Hardanger-Region auf seinen Norwegen-Reisen zwischen 1889 und 1914 immer wieder. Die ersten Hotels entstanden ab 1877, als englische Bergsteiger den Ort für sich entdeckten.
Heute leben rund 950 Menschen in Eidfjord. Der Vøringsfossen, einer der berühmtesten Wasserfälle Norwegens, stürzt 182 Meter in die Tiefe - das Wasser donnert so laut, dass Kinder es schon von Weitem hören können. Eine Legende erzählt von der Riesin Gygra, die hier ihre Wäsche wusch und das Wasser über die Klippe schüttete. Wer genau hinsieht, erkennt angeblich noch die Seifenblasen im Gischt.
Die Hardangervidda, Europas größtes Hochplateau, beginnt direkt hinter dem Dorf. Im Sommer wachsen hier viele Wildblumen-Arten, im Winter ziehen Rentierherden über die Schneeflächen. Familien wandern zum Kjeåsen-Hof, einer der abgelegensten bewohnten Bergfarmen Norwegens - der Weg führt durch Birkenwälder, vorbei an Wasserfällen, zu einem Hof auf gut 500 Metern Höhe über dem Fjord, der seit Jahrhunderten bewohnt ist.