Le Havre ist eine Stadt, die zweimal geboren wurde. 1517 gründete König François I. den Atlantik-Hafen als 'Le Havre-de-Grâce' (Hafen der Gnade) - er brauchte einen Tiefwasser-Hafen für seine Flotte nach Honfleur, das seit dem Mittelalter versandet war. In den nächsten 400 Jahren wurde Le Havre zum wichtigsten französischen Atlantikhafen - Eingangstor für Tabak, Zucker, Kaffee aus Amerika und der Karibik. 1858 ging die erste französische Überseelinie nach New York von hier aus. Die Stadt wuchs auf 165.000 Einwohner, mit prächtigen Belle-Époque-Vierteln und einem Schloss im Centro.
1944, im September. Die Alliierten landeten in der Normandie, befreiten Caen und Rouen, aber Le Havre war strategisch wichtig - der einzige große Tiefwasser-Hafen Frankreichs für Nachschub. Die Deutschen hielten die Stadt mit 11.000 Soldaten. Vom 5.-12. September 1944 bombardierten britische Bomber Le Havre mit 9.500 Tonnen Sprengstoff in 132 Lufteinsätzen. 5.000 Zivilisten starben (300 Tote pro Tag), 10.000 Gebäude wurden zerstört - 82% des Centros. Es war die schwerste Bombardierung einer französischen Stadt im 2. Weltkrieg. Frankreich diskutierte ernsthaft, ob Le Havre überhaupt wieder aufgebaut werden sollte.
Die Entscheidung fiel: Le Havre wird neu gebaut. Architekt: Auguste Perret, Beton-Pionier und Lehrer von Le Corbusier (78 Jahre alt 1945). Sein Plan: kein Versuch, das alte Le Havre zu rekonstruieren, sondern eine komplett moderne Stadt aus Stahlbeton. 1947-1964 entstand das, was wir heute sehen: 133 ha schachbrettartiger Stadtgrundriss, 11.000 Wohnungen in Beton-Hochhäusern, breite Boulevards, das berühmte Rathaus mit seinem hohen Turm, und Perrets Meisterwerk - die Église Saint-Joseph (1956-58, 107 m hohe Beton-Turm mit gefiltetem buntem Glas, 12.768 farbige Glasstücke). Zur Zeit war das radikal hässlich für viele. Heute ist es UNESCO-Welterbe (seit 2005, als 'außergewöhnliches Beispielfür Nachkriegs-Stadtplanung'). Le Havre hat heute 168.000 Einwohner, ist Frankreichs grösster Containerhafen (und zweitgrösster Seehafen nach Marseille), und das MuMa (Musée d'Art Moderne André Malraux) zeigt die weltweit größte Sammlung impressionistischer Werke außerhalb von Paris - viele Künstler wie Monet, Boudin und Dufy malten genau diesen Atlantik-Himmel. Claude Monets 'Impression Soleil Levant' (1872) - das Bild, das dem Impressionismus seinen Namen gab - zeigt den Hafen von Le Havre bei Sonnenaufgang.
Aber Le Havres echte Schätze sind die Tagesausflüge: Étretat (27 km nördlich) - die 70 m hohen weißen Kalkstein-Klippen mit den drei berühmten Felsen-Toren (L'Aiguille-Nadel, Porte d'Aval, Porte d'Amont). Honfleur (25 km östlich, Seine-Mündung) - das mittelalterliche Fischerdorf mit dem berühmten Hafen-Bassin (Vieux Bassin), Holz-Kirche Sainte-Catherine (15. Jh.) und Eis bei 'Le Marin' seit 1840. Rouen (90 km östlich) - Jeanne d'Arc-Stadt mit gotischer Kathedrale (Monet hat sie 30× gemalt) und Place du Vieux-Marché (wo Jeanne 1431 verbrannt wurde). Paris (200 km, 2 h mit dem Zug) ist für einen Tagesausflug zu weit - nicht empfehlenswert mit Familie.
Vom Cruise-Terminal Croisières Le Havre sind es 1,5 km flach zum Centro. Tram T1 vom Terminal-nahen Bahnhof in 8 Min für 1,80 EUR. Wer einen ganzen Tag hat: Étretat-Tagesausflug ist der Klassiker (Bus 24 vom Bahnhof, 40 Min, 2,50 EUR Hin, Reederei-Tour 60-90 EUR p.P.). Oder Honfleur-Halbtag (Bus 39 oder Reederei-Tour). Wer in Le Havre bleibt: Église Saint-Joseph, MuMa und Plage du Havre.
Kulinarisch ist Le Havre Normandie pur: Camembert (Pdo seit 1983, der berühmteste Käse Frankreichs), Pommeau (Aperitif aus Apfelsaft und Calvados-Mix), Calvados (Apfel-Brandy, älteste regionale Spezialität - wird zwischen Hauptgängen als 'Trou Normand' getrunken, um Platz im Magen zu machen!), Moules-Frites (Muscheln mit Pommes, klassisch 18-25 EUR),Tarte aux Pommes (Apfelkuchen aus Calvados-getränkten Äpfeln), Crêpes (klassisch oder als Galette mit Buchweizen).Frischer Atlantik-Fisch direkt aus dem Hafen - Coquilles Saint-Jacques (Jakobsmuscheln, Spezialität November-April), Sole meunière (Seezunge in Butter).