Barcelona ist alt. Die Römer gründeten Barcino 15 vor Christus auf einem Hügel über dem Meer. Aber Barcelona, wie wir es kennen, ist relativ jung. Die Stadt, die heute 1,7 Millionen Einwohner hat, formte sich erst um 1900 zu dem, was sie heute ist. Und das verdanken wir vor allem einem Mann: Antoni Gaudí.
Gaudí wurde 1852 in Reus geboren und kam 1869 nach Barcelona zum Studieren. Er war kein klassischer Architekt. Er war ein Querdenker, ein Bauer, ein Mystiker. Seine Inspiration: die Natur. Knochen, Pilze, Spinnennetze, Wellen. Er drehte die Architektur um, während andere Architekten gerade Linien suchten, suchte Gaudí das Krumme, Geschwungene, Lebendige.
1882 begann er an der Sagrada Familia zu bauen, einer Sühnekirche, die durch Spenden finanziert wurde. Gaudí selbst sagte: 'Mein Klient hat es nicht eilig.' Er meinte Gott. Als er 1926 starb (er wurde von einer Straßenbahn überfahren), war die Kirche zu 25 Prozent fertig. Man arbeitete weiter, langsam, ehrenamtlich. Heute, 142 Jahre nach Baubeginn, ist die Sagrada Familia immer noch nicht fertig. Die vollständige Fertigstellung ist für die 2030er Jahre geplant. Wer in Barcelona ist, sollte sie besucht haben.
Aber Gaudí war nicht der einzige. Lluis Domènech i Montaner, Josep Puig i Cadafalch und andere brachten den Modernisme über die Stadt. Eine katalanische Spielart des Jugendstils, voller Farben, Mosaiken, Schmiedeeisen, gewundener Formen. Casa Batlló sieht aus, als hätte ein Drache hineingebissen. Casa Milà (La Pedrera) hat keine geraden Flächen. Der Park Güell ist eine Welt aus Mosaiken und Säulen, die nie eine Wohnsiedlung wurde, weil niemand dort einziehen wollte. Heute UNESCO-Welterbe.
Und Barcelona ist katalanisch, nicht spanisch. Die Katalanen sehen sich als eigenes Volk mit eigener Sprache (Català, dem Spanisch und Französisch ähnlich) und eigener Geschichte. Die katalanische Flagge mit ihren vier roten Streifen auf gelbem Grund ist älter als die spanische. Im Spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939 war Barcelona Zentrum der republikanischen Seite und der Anarchisten, wurde am 26. Januar 1939 von Francos Truppen eingenommen. Unter Franco war die katalanische Sprache verboten. Erst nach seinem Tod 1975 kam sie zurück, heute steht sie wieder gleichberechtigt neben dem Spanischen. Was du auf Straßenschildern siehst, ist häufig katalanisch zuerst, Spanisch zweit. Und 2017 wurde versucht, die Unabhängigkeit Kataloniens auszurufen. Das ging schief, aber die Frage ist nicht vom Tisch.