Marseille ist die älteste Stadt Frankreichs - älter als Paris, älter als Rom in seiner heutigen Form. 600 v. Chr. landeten griechische Seeleute aus Phokaia (heute türkische Westküste) hier an der provenzalischen Küste und gründeten Massalia. 2.600 Jahre später nennen die Marseillais ihre Stadt immer noch stolz 'la cité phocéenne' - die phokäische Stadt.
Zwischen Massalia und dem heutigen Marseille liegt eine extreme Geschichte: römisches Provinzhafenzentrum, mittelalterliche Pestmetropole (1720 starb fast die Hälfte der Bevölkerung), Tor zu Frankreichs Kolonien, Zufluchtsort für Hugenotten, Italiener, Algerier, Armenier, Korsen. Marseille ist nicht 'das echte Frankreich' der Champagne und Schlösser. Marseille ist hart, laut, vielfarbig, mit 870.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes - und vom Geist her näher an Neapel und Algier als an Paris.
Das Herz der Stadt ist der Vieux-Port, der Alte Hafen, ein riesiges natürliches Kalksteinbecken, in dem schon vor 26 Jahrhunderten Schiffe lagen. Heute liegen Yachten und Fischerboote darin, und auf dem Quai des Belges ist täglich ab 8 Uhr Fischmarkt - die Fischer verkaufen direkt aus den Booten an Köche und Bewohner. Das ist die Bühne der Stadt: Cafés am Wasser, eine berühmte Spiegeldecke (architektonisch von Norman Foster, 2013) als Treffpunkt, dahinter die zwei Festungen Saint-Jean (1660) und Saint-Nicolas - gebaut von Ludwig Xiv. nicht gegen Feinde von außen, sondern um den rebellischen Marseillais ihren Trotz zu nehmen.
Über allem thront Notre-Dame de la Garde, die 'Bonne Mère' - die gute Mutter - auf 154 m Hügel, mit goldener Madonna auf dem Glockenturm. Seit 1864 ist sie das Wahrzeichen. Die Marseillais bringen ihr seit Generationen Modellschiffe als Dank für gerettete Seeleute - innen hängen Hunderte davon von der Decke. Eintritt frei, Aussicht auf die ganze Stadt, das Meer, die Inseln Frioul. Mit Bus 60 vomVieux-Port hinauf, der Fußweg ist steil. Marseille ist außerdem Geburtsort der Bouillabaisse, des berühmten Fischeintopfs aus Felsenfischen (Drachenkopf, Petersfisch, Knurrhahn) mit Safran und Rouille-Sauce. Echte Bouillabaisse braucht 5+ Fischsorten und kostet €70+ pro Person - das Restaurant Le Miramar am Vieux-Port serviert eine zertifizierte Version. Für kleinere Geldbeutel: Pieds-Paquets (Lammkutteln), Panisses (Kichererbsen-Frites), Navettes de Marseille (orangenblütige Schiffchen-Kekse aus dem Four des Navettes, seit 1781 in Familienbesitz). Nicht vergessen: Pastis. Der gelblich-anisige Aperitif ist hier erfunden worden (Paul Ricard, 1932) und wird mit Wasser aufgegossen, niemals pur.
Vom Cruise-Terminal Mpct (Môle Léon Gourret) im Industrie-Hafen sind es 5 km zum Vieux-Port - zu Fuß nicht ratsam (Industrie-Areal, kein Schatten). Reederei-Shuttle (€10-15 hin/zurück) oder Bus 35/82 zum Bahnhof La Joliette (€2,10) sind die Wege. Wer einen ganzen Tag hat, schafft Vieux-Port, Le Panier, Notre-Dame de la Garde und MUCEM bequem. Wer mehr will: die Calanques - schroffe Kalkstein-Buchten östlich der Stadt - sind per Boot erreichbar (3-Stunden-Tour ab €30 p.P.) und für ältere Kinder ein Highlight.