Tanger liegt an der Nordwestspitze Afrikas, dort wo sich die Straße von Gibraltar auf nur rund 14 km verengt und Mittelmeer und Atlantik aufeinandertreffen. Bei klarer Sicht erkennt man die spanische Küste - kaum ein Ort verbindet zwei Kontinente so unmittelbar. Seit jeher ist die Stadt Umschlagplatz zwischen Europa und Afrika.
Berühmt wurde Tanger durch seinen Sonderstatus: Von 1925 bis 1956 war die Stadt eine Internationale Zone, gemeinsam verwaltet von mehreren europäischen Mächten (später auch den USA) unter nomineller Souveränität des Sultans. Diese Ära machte Tanger zum Anziehungspunkt für Schriftsteller, Künstler und Spione - und prägte die kosmopolitische Mischung, die bis heute nachwirkt. 1956, mit der Unabhängigkeit Marokkos, kehrte Tanger unter volle marokkanische Souveränität zurück.
Das Herz der Stadt ist die Medina, die von Mauern umschlossene Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, Souks und kleinen Plätzen. Am höchsten Punkt liegt die Kasbah, zugleich Festung und Wohnviertel; im ehemaligen Sultanspalast Dar el Makhzen ist heute das Kasbah-Museum untergebracht. Vom Grand Socco, dem großen Marktplatz am Rand der Medina, geht es hinab in die Gassen der Altstadt.
Vor den Toren der Stadt liegen zwei lohnende Ausflugsziele in der Natur: Cap Spartel, der nordwestlichste Punkt Afrikas mit einem Leuchtturm von 1864, und die Grotten des Herkules (Grottes d'Hercule) - eine Meereshöhle, deren zum Meer offener Bogen von innen wie die Silhouette Afrikas aussieht. Der Legende nach rastete hier Herakles, bevor er die Kontinente trennte. Beide liegen rund 14 km westlich und lassen sich gut als Halbtagesausflug per Taxi oder Reederei-Tour verbinden.
Kulinarisch trifft marokkanische Küche auf mediterrane und spanische Einflüsse: süßer Minztee, Tajine, frischer Fisch und Meeresfrüchte am Hafen. Gehandelt wird in Marokkanischen Dirham (MAD); im Souk gehört freundliches Feilschen einfach dazu.