Cherbourg sitzt an der Spitze der Cotentin-Halbinsel, da wo die Normandie wie ein Finger in den Ärmelkanal zeigt - 100 km nördlich des Mont-Saint-Michel, rund 50 km vom westlichsten D-Day-Strand (Utah Beach) und gut 120 km von Caen entfernt. Die Stadt ist klein (35.000 Einwohner) aber strategisch wichtig: ihr riesiger künstlicher Außenhafen, 1853 von Napoleon III. fertiggestellt, ist mit 1.500 ha einer der größten der Welt (Vergleich: Hamburger Hafen 7.200 ha, Cherbourg pure Wassserfläche).
Die Geschichte Cherbourgs ist auf eigene Weise dramatisch: erst keltisches Fischerdorf 'Coriallum', dann römischer Hafen, im Mittelalter abwechselnd englisch und französisch (Hundertjähriger Krieg). 1758 brannten die Engländer die Stadt nieder, 1783 begann unter Louis XVI der Bau des riesigen Wellenbrechers - der wurde erst rund 70 Jahre später unter Napoleon III. fertig. Im 19./frühen 20. Jh. war Cherbourg der wichtigste Transatlantik-Hafen Frankreichs: schnellster Weg von Paris nach New York. Hier gingen Auswanderer Richtung Amerika an Bord, hier stoppte 1912 die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt - 274 Passagiere kamen in Cherbourg an Bord (darunter John Jacob Astor IV. und die Brown-Familie). Vier Tage später ging die Titanic vor Neufundland unter, von den 274 Cherbourg-Passagieren starben 150. Heute erinnert die Cité de la Mer ausführlich daran.
Im Juni 1944 wurde Cherbourg zum Schlüssel des D-Day: die Alliierten brauchten einen großen Hafen zum Nachschub. Nach 21 Tagen Häuserkampf befreiten US-Truppen die Stadt am 27. Juni 1944 - die Deutschen hatten den Hafen vorher gesprengt, die US-Pioniere reparierten alles in 3 Wochen, ab August lief er wieder. Bis Kriegsende kamen 25% allen alliierten Nachschubs für die Westfront durch Cherbourg.
Heute lebt Cherbourg von der Marine (Frankreichs Atom-U-Boot-Werft, hier werden die neuesten Atom-U-Boote der Barracuda-Klasse gebaut), vom Fährhafen Richtung Irland und UK, und zunehmendvom Cruise-Tourismus.Die absolute Hauptattraktion: die Cité de la Mer (2002 eröffnet), das beste Meeres-Museum Frankreichs. Sie befindet sich in der renovierten Gare Maritime (Hafenhalle Art Déco 1933), wo einst Transatlantik-Passagiere ein- und ausstiegen, und das 128 m lange Atom-U-Boot 'Le Redoutable' (1971-1991 in Dienst, jetzt begehbar) ist das größte ausgestellte U-Boot der Welt. Dazu kommen ein 11 m hohes Korallenriff-Aquarium (das tiefste Europas), die berühmte Titanic-Ausstellung mit originalen Briefen und Gegenständen von Passagieren, und der 'Tube' zur Bathy-scaphe Archimède.
Vom Cruise-Quai sind es 200 m zur Cité de la Mer (rechts) oder 500 m zum Centre-Ville mit Bassin du Commerce (links) - alles fußläufig. Wer einen ganzen Tag hat: Cité de la Mer (4 h), Lunch und Spaziergang Centre-Ville. Wer mehr will: D-Day-Strände-Tagesausflug (Utah Beach 50 km, Omaha Beach 90 km, Reederei-Tour 90-140 EUR p.P.) oder Mont-Saint-Michel (130 km, anstrengend an einem Tag).
Kulinarisch ist Cherbourg Normandie pur: Camembert (frisch in jeder Fromagerie), Boudin noir (Blutwurst, mit Apfel-Mus), Coquilles Saint-Jacques (Jakobsmuscheln an Cidre-Sauce), Pommeau (Apfelmost mit Calvados gemischt, als Aperitif), Calvados (Apfelbranntwein, mit Eis nach dem Essen), Teurgoule (langsam gekochter Reis-Milch-Zimt-Pudding, normannisches Soulfood). Wein wird hier nicht angebaut - Cidre brut und doux begleiten alles. Mit Kindern: Crêpes mit Karamell beurre salé (5-7 EUR), Tarte normande (Apfel-Mandel-Kuchen 4 EUR).