Civitavecchia ist die Stadt, die niemand wirklich besucht. Sie ist ein Hafen für 2,5 Millionen Kreuzfahrtgäste pro Jahr - aber 95 Prozent davon steigen aus dem Schiff und sofort in einen Zug oder Bus, der sie 80 Kilometer südlich nach Rom bringt. Die Stadt selbst, mit ihren 50.000 Einwohnern, ihrem Fischerhafen und ihrer langen Geschichte, bleibt ungesehen.
Schade. Civitavecchia ist alt. Im Jahr 108 nach Christus liess Kaiser Trajan hier einen neuen Hafen für Rom bauen. Der alte Hafen Ostia, an der Tibermündung, war versandet. Trajan brauchte einen tieferen, sichereren Anlegepunkt für die Getreideflotte aus Ägypten. Er beauftragte den Architekten Apollodorus von Damaskus, denselben Mann, der das Trajansforum in Rom baute. Der neue Hafen hiess Centumcellae, 'hundert Lager'. Heute heisst er Civitavecchia, was 'alte Stadt' bedeutet, weil im Mittelalter, als Sarazenen die Stadt zerstörten, die Bewohner sie verliessen und später zu den 'alten Mauern' zurückkehrten.
An der Hafenmole steht das Forte Michelangelo, ein massiges Renaissance-Fort, das 1508 von Papst Julius II. begonnen und ab 1535 von Michelangelo selbst weitergeplant wurde. Heute beherbergt es das Hafenkommando der Marina Militare. Im Zweiten Weltkrieg wurde Civitavecchia 1943-44 von alliierten Bomben schwer getroffen, aber das Fort blieb stehen. Es ist eines der wenigen Gebäude, das den Krieg überstand.
Aber seien wir ehrlich: Familien fahren von Civitavecchia aus nach Rom. Die Trenitalia-Bahn vom Bahnhof Civitavecchia (15 Min Fussweg vom Cruise Terminal) fährt in 50-80 Minuten zur Roma Termini, dem Hauptbahnhof. Tickets gibt es ab 5 EUR (Regional, langsamer) oder 16 EUR (Intercity, schneller). Online vorab buchen ist nicht nötig, Tickets gibt es am Automaten oder Schalter.
Rom ist Rom. Es gibt ganze Bibliotheken über diese Stadt. Drei Highlights für Familien an einem Hafentag: das Kolosseum, das grösste je gebaute Amphitheater, in dem 50.000 Römer Gladiatoren beim Kämpfen zusahen. Der Vatikan mit dem Petersdom (kostenlos zu betreten, allein die Kuppel ein Erlebnis) und den Vatikanischen Museen mit der Sixtinischen Kapelle (Tickets unbedingt online vorbestellen, sonst 2-3h Schlange). Und der Trevi-Brunnen mit der Münzwurftradition, hier werden pro Tag rund 3000 EUR für karitative Zwecke gesammelt.
Wichtig für Familien: Rom an einem Hafentag bedeutet, sich entscheiden zu müssen. Wer alle drei Highlights schaffen will, muss diszipliniert sein und um 16 Uhr im Zug zurück nach Civitavecchia sitzen. Schiff läuft normalerweise um 19 Uhr aus, Vorsicht beim Zug-Timing, italienische Züge haben gerne 30 Minuten Verspätung oder mehr. Die Reederei verlangt mindestens eine Stunde Sicherheits-Puffer.
Wer in Civitavecchia bleibt: Es lohnt sich auch hier ein paar Stunden. Die Lungomare-Promenade. Das Forte Michelangelo. Das archäologische Museum mit etruskischen Funden. Eine Pizza in einem Lokal, das nicht im Reiseführer steht. Ohne Stress.