Lissabon ist eine Stadt, die 1755 fast komplett verschwand. Am 1. November dieses Jahres (Allerheiligen) erschütterte ein Erdbeben der Stärke 8,5-9,0 die Stadt - danach ein Tsunami, danach dreitägige Brände. 30.000-100.000 Menschen starben (von 200.000 Einwohnern), rund drei Viertel der Häuser wurden zerstört. Es war eines der traumatischsten Ereignisse der europäischen Geschichte - Voltaire schrieb darüber, Kant zitierte es. Der Marquês de Pombal baute Lissabon dann als eine der ersten 'erdbebensicheren' Städte der Welt neu: Holzgerüst-Konstruktionen ('Gaiola Pombalina'), breite Boulevards, das schachbrett-artige Baixa-Viertel, das wir heute sehen.
Aber Lissabon ist rund 3.000 Jahre alt. Phönizier nannten sie 'Allis Ubbo' (ruhiger Hafen), Römer 'Olisipo', Mauren 'al-Lishbuna'. 1147 eroberte König Afonso Henriques die Stadt in der portugiesischen Reconquista. Vom 15. bis 17. Jahrhundert war Lissabon das Tor zur Welt: Vasco da Gama segelte 1497 von hier nach Indien (am Belém-Turm vorbei), Cabral entdeckte 1500 Brasilien, das Reich erstreckte sich von Goa über Macao bis Mosambik und Brasilien. Die Stadt war eine der reichsten Europas - bis das Erdbeben alles wegnahm.
Die Stadt hat sieben offizielle Hügel ('sete colinas'). Zwischen ihnen schlängeln sich die berühmten gelben Trams aus den 1930ern. Tram 28 ist die touristische Lieblings-Linie - fährt von Martim Moniz über Graça, Alfama, Baixa, Estrela durch enge Kurven, an Wäschelinen vorbei. €3,30 das Einzelticket beim Fahrer, €1,90 mit Viva-Viagem-Karte (Stand 2026). In Hochsaison 1 h Schlange am Anfang.
Alfama ist das älteste Viertel - überlebte als einziges das Erdbeben. Maurisches Geflecht aus engen Gassen, Wäscheleinen über den Köpfen, Fado-Musik aus winzigen Tavernen ab 21 Uhr. Belém liegt am westlichen Ufer und ist das Entdecker-Viertel: der manuelinische Belém-Turm (1519), das Jerónimos-Kloster (1502, Vasco da Gama Grab dort), das Padrão dos Descobrimentos (Entdecker-Denkmal von 1960). Drumherum Pastéis de Belém - die original Pastéis de Nata, geheimes Rezept der Mönche von 1837, €1,50 das Stück.
Vom Cruise-Terminal Santa Apolónia / Jardim do Tabaco sind es gut 1 km flach am Tejo-Ufer (12-15 Min) zur Praça do Comércio (zentraler Platz am Tejo). Belém ist 6 km westlich - Tram 15 fährt vom Terminal direkt dorthin (€3,30 / €1,90 mit Viva, 30 Min). Wer einen ganzen Tag hat: Alfama, Castelo, Belém-Tagestrip, Pastel de Nata und Tram 28-Fahrt. Wer mehr will: Sintra-Tagesausflug (40 km westlich, märchenhafte Schlösser, Pena-Palast in den Wolken - ist zu viel für einen Cruise-Tag, lieber separat).
Kulinarisch: Bacalhau (Stockfisch - angeblich '365 Rezepte', also eines pro Tag) mit Kartoffeln und Olivenöl, Bifana (Schweineschnitzel-Sandwich für €3-4), Sardinha Assada (gegrillte Sardinen, Sommer-Spezialität), Pastéis de Nata überall. Eis bei Conchanata oder Santini. Ginjinha (Sauerkirsch-Likör in einem Schokoladen-Becher, €1-2) für Eltern. Vinho Verde (junger weißer Wein) zum Mittagessen.